Deutsche LTE-Handynetze schlechter als in Albanien

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Das die deutschen Mobilfunknetze im europäischen Vergleich in Sachen Geschwindigkeit und Verfügbarkeit anderen Ländern hinter hinken ist bekannt. Eine neue Mobilfunkstudie offenbart erneut die schlechte Netzabdeckung und Geschwindigkeit deutscher Handynetze. Deutschland ist in ganz Europa Schlusslicht und landet sogar hinter Albanien.

LTE-Abdeckung – Deutschland in Europa Schlusslicht

In der Industrie und Wirtschaft zählt Deutschland zu den stärksten Ländern der Welt. Doch bei der Mobilfunkversorgung vor Ort rangiert Deutschland eher auf dem Platz eines Entwicklungslandes. Dies hat eine neue Mobilfunk-Studie des Aachener Beratungsunternehmens P3 ergeben. Demnach ist die LTE-Netzabdeckung vor Ort die schlechteste in ganz Europa – noch vor Albanien.

Die Studie wurde von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben und bestätigt bishere Studien in Sachen LTE-Netzabdeckung. Die Daten der Studie basieren auf eine Software, die ca. 150.000 deutsche Mobilfunkkunden unbemerkt mit gekauften Apps auf ihr Smartphone geladen haben. Die Software analysierte neben dem Standort des Handys, die Stärke des Handynetzes und die Geschwindigkeit der Datenübertragung. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung war die Anwendung nach Angaben der Studienautoren auf 190 Millionen Geräten weltweit installiert und lieferte pro Tag etwa 1,5 Billionen Datensätze.

Telekom-Netz vor Vodafone und o2

Die Studie bestätigte die Ergebnisse der aktuellen Netztests von Connect, Chip und Computerbild. Denn die Telekom liegt hierzulande vor den Mitbewerbern Vodafone und Telefónica. Doch während Handynetze in Belgien, den Niederlanden und der Schweiz auf einen LTE-Anteil von mehr als 90 Prozent kommen, erreicht das Telekom-Netz gerade einmal einen LTE-Anteil von 75 Prozent. Im Vodafone-Netz liegt der Anteil bei 57 Prozent und im o2-Netz bei nicht einmal 50 Prozent.

Die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit liegt bei der Telekom bei 4,9 Mbit/s. Dahinter folgen Vodafone mit 4,8 Mbit/s und das Telefónica-Netz mit 4,1 Mbit/s. Nun könnte man meinen, das schlechte Ergebnis liegt eventuell an der Flächengröße des Landes. Doch selbst in Polen und Albanien genießen Mobilfunkkunden der Telekom mit 80 Prozent einen deutliche bessere Netzabdeckung. Zudem surfen Kunden in Albanien mit 9,4 Mbit/s und 8,7 Mbit/s doppelt so schnell wie im besten Handynetz von Deutschland – dem Telekom-Netz.

National Roaming kann bei 5G Netzausbau helfen

„Deutschland ist beim Mobilfunk Schlusslicht in Europa“, fasst Oliver Krischer, Vizechef der Grünen-Bundestagsfraktion, die Ergebnisse zusammen. Gleichzeitig wirft Margit Stumpp, Expertin der Grünen-Fraktion für digitale Infrastruktur, dem Bundesminister Scheuer Untätigkeit vor. Kirscher fordert, die Einnahmen der 5G-Frequenzauktion (ca. 5 Mrd.) zur finanziellen Unterstützung in den Netzausbau zu investieren. So könnte es beispielsweise in ländlichen Regionen nur einen 5G-Mobilfunkmast geben, den sich die drei Mobilfunkanbieter teilen müssen.

Zudem könnte National-Roaming in schlecht ausgebauten Gebieten die Netzqualität deutlich steigern. Eine gemeinsame Nutzung der Sendemasten ist auch aus Sicht der Fachleute von P3 „ein Baustein“ für den schnellen künftigen 5G-Netzausbau. Krischer fordert daher eine Verpflichtung von National Roaming in schlecht versorgten Gebieten. Allerdings ist National Roaming in der finalen 5G-Ausschreibung der Bundesnetzagentur keine Pflicht. Nur eine nachträgliche Gesetzesänderung könnte die deutschen Netzbetreiber in die Pflicht nehmen.