Ende der 5G-Auktion – Das sagen die Anbieter und die Bundesnetzagentur

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Nach einem zähen Ringen ist die 5G-Auktion am Mittwoch, dem 12. Juni 2019, zu Ende gegangen. Mit rund 6,55 Milliarden Euro wurden die geplanten Einnahmen deutlich überschritten. Im Vorfeld und während der Auktion gab es viel Kritik. Das sagen die vier Teilnehmer Vodafone, Telekom, Telefónica und 1&1 Drillisch sowie Freenet und die Bundesnetzagentur zum Ende der Versteigerung und den Ergebnissen.

5G-Auktion ist zu beendet

Nach mehr als 12 Wochen ist die 5G-Auktion der Bundesnetzagentur zu Ende gegangen. Am Mittwoch, dem 12. Juni 2019, verkündete die Aufsichtsbehörde, dass alle Gebote abgegeben und das Bieterverfahren beendet wurde. In den letzten Wochen hatten die Auktionsteilnehmer Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch quasi nur noch um einen Block gerungen. Nun hat 1&1 Drillisch nachgegeben und auf den Block verzichtet. Daraufhin kam die Auktion schnell zum Abschluss.

Vor und während der Versteigerung gab es viel Kritik. Die lange Dauer hat zudem zu deutlich höheren Erlösen geführt als ursprünglich angenommen. Geld, dass den Netzbetreibern und Anbietern nun beim Netzausbau fehlen könnte. Dennoch zeigen sich die vier Akteure durchweg positiv gestimmt und sind erfreut über die Frequenzbereiche, die sie sich sichern konnte. Allerdings gibt es auch Kritik. Das sagen Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch sowie die Bundesnetzagentur und Freenet.

Telekom

Die Telekom hat Frequenzen im Wert von 2,17 Milliarden Euro ersteigert und hat damit die höchste Investition in den neuen Mobilfunkstandard getätigt. Dadurch konnte sich das Unternehmen insgesamt 4 Frequenzblöcke im 2 Gigahertz Band sowie 9 Frequenzpakete im Bereich 3,6 Gigahertz sichern. „Wir haben das Spektrum erhalten, das wir wollten. Nach einer langen Auktion herrscht jetzt Klarheit. Jetzt werden wir ein erstklassiges 5G-Netz für Deutschland bauen. Darauf können sich unsere Kunden freuen“, meint Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland in einem Statement.

Allerdings hinterlasse die Auktion auch einen bitteren Nachgeschmack. Dirk Wössner erklärt:

Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können.

Dennoch wolle man nun durchstarten und erhofft sich von der Bundesnetzagentur eine Festlegung der noch unklaren Rahmenbedingungen für den Ausbau.

Vodafone

Bei Vodafone ist man verhaltener. Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter ist zwar zufrieden mit den Frequenzen, die sich das Unternehmen sichern konnte, aber dennoch unglücklich über den Verlauf der Auktion:

Zwar haben wir die Frequenz-Blöcke erhalten, die wir brauchen, um Deutschlands digitalen Weg zu gestalten. Doch der Preis dafür ist hoch: Es war die längste Auktion aller Zeiten. Und es war nach der UMTS-Auktion, deren Folgen wir noch heute spüren, die teuerste. Die Milliardenbeträge, die in Lizenzen geflossen sind, fehlen für dringend notwendige Investitionen ins Mobilfunknetz. Was mich am meisten daran stört: Diese Entwicklung war vorhersehbar. Sie war vermeidbar.

In den hohen Kosten der Frequenzen sieht der Manager riesige Schäden für Digital-Deutschland. Er hat zudem mehrere Fehler ausgemacht, die Deutschland bei der Vergabe der Frequenzen unterlaufen sind:

  1. „Wir haben nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt“
  2. „Die 5G-Auktion war nicht gerahmt von fairen Regeln“
  3. „Die Ressourcen wurden künstlich verknappt“

Der Vodafone-Chef ruft nun dazu auf, dass die Akteure die Auktionsschäden gemeinsam reparieren. Eine Lösung für dieses Problem hat er bereits parat:

In dem das Geld, das in die Lizenzgelder geflossen ist, rückwirkend für den echten Ausbau von Mobilfunk-Stationen investiert wird – durch eine entsprechende Förderung. Die Bundesregierung sollte die fast 6,6 Milliarden Euro, die sie dem Markt entzogen hat, in den Markt investieren – und damit die selbst gezogene Ausbau-Bremse lockern. Wir müssen ein Mobilfunk-Förderpaket schnüren.

Das gesamte Statement des Vodafone-Chefs mit Erklärungen und Ergänzungen ist hier nachzulesen.

Telefónica

Telefónica konnte sich im Rahmen der Auktion 90 MHz, aufgeteilt in zwei gepaarte Blöcke im 2,1-GHz-Bereich sowie sieben ungepaarten Blöcke bei 3,6 GHz, sichern und hat dafür 1,425 Milliarden Euro investiert. Damit ist Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland, einem Statement zufolge zufrieden:

Wir haben in der Auktion ein gutes Ergebnis erzielt und ein werthaltiges Frequenzpaket erworben, das unser bestehendes Spektrum ideal ergänzt und unsere Ambition des Mobile Customer & Digital Champions für unsere Kunden auch in den kommenden 20 Jahren ermöglichen wird. Die neue Frequenzausstattung optimiert unser Netzmanagement, öffnet den Weg in neue Geschäftsfelder und wird perspektivisch auch unseren vielen Millionen Kunden ein noch attraktiveres Nutzungserlebnis und damit ein Plus an mobiler Freiheit in der digitalen Welt ermöglichen.

Die Frequenzen gehören nun bis 2040 dem Anbieter und können für den weiteren Netz- und 5G-Ausbau verwendet werden. Dabei kommen die hohen Datenraten und geringen Latenzzeiten des 5G-Netzes zum Start in den Ballungsräumen und Industriegebieten zum Einsatz. Mobilfunkkunden werden nach und nach, auch mit steigender Verbreitung von 5G-Geräten, ebenfalls von der Technologie profitieren. Allerdings übt das Unternehmen dennoch Kritik an der Auktion. So erklärt Valentina Daiber, Chief Officer for Legal & Corporate Affairs:

Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass eine Frequenzvergabe über eine Auktion kontraproduktiv für den Mobilfunkausbau in Deutschland war. Der Verlauf der Auktion hat gezeigt, dass das Design sowie die nicht ausreichende Menge an zur Verfügung gestellten Frequenzen die Kosten in die Höhe getriebenhaben. Diese Investitionsmittel wären aus Verbrauchersicht und für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich besser im Netzausbau aufgehoben.

Um diese Nachteile auszugleichen, sei das Unternehmen bereit „eng mit investitionswilligen Wettbewerbern im Netzausbau zusammenzuarbeiten“.

1&1 Drillisch

Der heimliche Sieger der Auktion dürfte zweifellos der Provider 1&1 Drillisch sein. Zwar konnte sich das Unternehmen im Vergleich die wenigsten Frequenzen sichern, ist mit diesen jedoch in der Lage, ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen. Dadurch könnte der Mobilfunkmarkt in Deutschland demnächst einen weiteren Netzbetreiber erhalten. Damit stünden Interessenten wieder vier Netze zur Auswahl. Zuletzt war das bis zur Fusion von o2 und E-Plus der Fall. Nach der Übernahme durch o2 ging E-Plus im o2-Netz auf. Mit 1&1 Drillisch und den erworbenen Frequenzen ist das vierte Netz nun wieder in greifbarer Nähe gerückt. Entsprechend positiv ist Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender von United Internet, gestimmt:

Wir freuen uns über den Ausgang der Auktion. Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen. Damit schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf.

Freenet

Über ein mögliches viertes Netz zeigt sich auch freenet erfreut. Zwar hat der Anbieter bei der Auktion nicht mitgeboten, die Ereignisse jedoch beobachtet. Rickmann von Platen, Vorstand Partnerbeziehungen der freenet AG, meint:

Gestern war ein guter Tag für freenet und für die Verbraucher. Bald wird es wieder vier Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland geben. Mit vier Netzbetreibern wird nicht nur der Infrastrukturwettbewerb, sondern auch der Dienstewettbewerb gestärkt. Dank der Verhandlungspflicht der Netzbetreiber ist gewährleistet, dass die Netzbetreiber uns auch zukünftig Vorleistungen in allen Mobilfunkstandards diskriminierungsfrei bereitstellen werden. Damit haben wir bis zum Jahr 2040 Planungssicherheit. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit allen Netzen.

Bundesnetzagentur

Die Kritik an der Auktion und dem Vergabeverfahren lächelt man bei der Bundesnetzagentur gekonnt weg. Denn die erfolgreiche Teilnahme des Neueinsteigers Drillisch zeige, dass das „Auktionsformat geeignet ist, den Wettbewerb zu fördern“. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärt:

Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland. Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten. Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden. Es liegt nun in der Hand der Unternehmen die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen.

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