freenet Funk Roaming: Beschränkung auf 30 Tage rechtmäßig?

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freenet Funk hat das hauseigene Angebot für das EU-Ausland freigeschaltet. Allerdings können Kunden auf Reisen nicht nach dem Roam-like-at-home-Prinzip agieren, sondern lediglich die mobilen Daten mit Begrenzung nutzen. Die Telefonie und das Senden von SMS sind nicht möglich. Ist das eigentlich rechtens?

freenet Funk eingeschränkt im Ausland nutzbar

Zum Start des freenet Funk Angebots vor einigen Monaten gab es ein paar Einschränkungen. So standen die beiden Tarife beispielsweise nicht im Ausland zur Verfügung und konnten nur innerhalb Deutschlands genutzt werden. Seit 4. August 2020 ist das anders. Denn der Discounter hat Neu- und Bestandskunden für das EU-Roaming freigeschaltet und stellt die Tarife auch im EU-Ausland bereit. Allerdings nur eingeschränkt.

Photo by Clem Onojeghuo on Unsplash

Denn die Telefonie und das Senden von SMS ist auf Reisen weiterhin nicht möglich. Lediglich die mobilen Daten stehen zur Verfügung. Das jedoch mit einer Begrenzung auf 1 GB pro Tag für die maximale Dauer von 30 Tagen. Wer mehr verbraucht oder länger auf Reisen ist kann den Tarif nach Ablauf dieser Frist nicht mehr nutzen. Das Vorgehen entspricht nicht dem Roam-like-at-home-Prinzip der EU-Kommission, mit dem diese das EU-Roaming vor einigen Jahren vereinheitlicht hat. Denn Roam-like-at-home heißt, dass Anbieter, die die Auslandsnutzung freischalten, ihre Tarife im EU-Ausland wie daheim zur Verfügung stellen müssen. Bei freenet Funk ist das derzeit jedoch nicht der Fall.

Roam-like-at-home wird nicht angeboten

Gemäß der Roam-like-at-home-Vorgabe müsste freenet Funk die Pakete im EU-Ausland wie daheim anbieten. Also inklusive Sprach- und SMS-Flat in alle Netze. Eine Ausnahme gibt es lediglich bei den mobilen Daten. Denn besonders hohe Volumina oder Unlimited-Flats müssen gemäß Fair-Use-Policy im EU-Ausland nicht wie daheim zur Verfügung stehen. Allerdings gibt es eine rechnerische Vorgabe, welche Volumina mindestens beinhaltet sein müssen. Dieser Wert ergibt sich aus dem monatlichen Netto-Paketpreis und den derzeitigen Großhandelspreisen für mobile Datenvolumina. Eine Begrenzung auf 30 Tage pro Jahr, wie sie freenet Funk derzeit nutzt, ist hingegen nicht vorgesehen.

Wie Teltarif berichtet, fühlt sich der Anbieter dennoch auf der sicheren Seite. Auf Nachfrage teilte freenet Funk mit, dass sich das Angebot weiterhin als nationale Offerte verstehe und die Datennutzung im Ausland lediglich ein zusätzliches Goodie darstelle. Kurz gesagt: freenet Funk bietet nach eigener Auffassung kein EU-Roaming an (sondern lediglich eine zusätzliche Leistung) und muss sich deshalb auch nicht an die EU-Vorgaben halten.

EU-Roaming ohne EU-Roaming?

Ob diese Auffassung das Rechtsempfinden der EU-Kommission trifft, ist mehr als fraglich. Denn diese hatte für die Neuregelung des EU-Roamings klare Vorgaben festgelegt. So können sich Anbieter beispielsweise dazu entscheiden, das EU-Roaming nicht anzubieten. Wer das jedoch tut, muss sich an die Vorgaben halten. Dass soll das Ausnutzen etwaiger Schlupflöcher verhindern. Aber auch ein „partielles Roaming“ wie es freenet Funk derzeit anwendet.

Es ist also gut möglich, dass die Bundesnetzagentur oder eine andere Institution die Roamingauffassung des Discounters korrigieren wird. Das könnte zur Folge haben, dass freenet Funk vor die Wahl gestellt wird: Entweder Roam-like-at-home oder kein Roaming. Ähnliche Korrekturen hat es in der jüngeren Vergangenheit bereits gegeben. So waren Telekom und Vodafone der Auffassung, die hauseigenen Zero-Rating-Optionen nur im Inland anzubieten. Das sah unter anderem das Landgericht Düsseldorf allerdings ganz anders und stellte einen Verstoß gegen europäisches Recht fest. In Folge dessen mussten die Netzbetreiber die Optionen für das EU-Ausland freigeben.

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