Handytarife mit 12 Monaten Laufzeit verdoppeln mtl. Hardware-Preise

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Die Politik fordert Festnetz- und Handytarife mit einer maximalen Laufzeit von 12 Monaten. Viele Verbraucher jubeln, doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Denn die Reduzierung der Mindestvertragslaufzeit könnte deutlich teurere monatliche Preise nach sich ziehen. Zudem könnten die Anbieter bei der Prüfung der Schufa-Bonität deutlich strenger werden.

Mindestvertragslaufzeit von 12 Monaten

Die Bundesjustizministerin Katarina Barley fordert eine Herabsetzung der Mindestvertragslaufzeit bestimmter Vertragsverhältnisse. Dazu zählt die Ministerin vor allem Handyverträge und -Tarife, deren Laufzeiten zu unflexibel seien. Statt der bislang üblichen 24 Monate Laufzeit soll die Mindestvertragslaufzeit auf 12 Monate gesenkt werden. Das soll Verbrauchern mehr Flexibilität verschaffen und deren Benachteiligung abstellen.

Während Kunden den Vorschlag feiern, fragt sich eine ganze Branche, weshalb sie von der Politik als Feindbild auserkoren wurde. Denn obwohl eine gesetzlich festgelegte Reduzierung der Laufzeit auf den ersten Blick positiv klingt, zeigt sie auch, dass Mobilfunkanbieter und deren Mitarbeiter offenbar als provisionsgierige Betrüger gesehen werden, vor denen man die Kunden schützen muss. Doch wie positiv wirkt sich der Vorstoß der Regierung tatsächlich für die Kunden aus. De Facto wohl deutlich weniger als es den Anschein hat.

Höhere Preise bei Smartphone-Bundles

Denn Kunden müssen, sollte der Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden, vor allem mit höheren Grundgebühren bei Handy-Bundles rechnen. Zwar bieten auch jetzt schon einige Anbieter kurzfristige Tarife mit einem oder wenigen Monaten Laufzeit an, offerieren in diesen jedoch  keine Smartphones oder Tablets. Diese gibt es i.d. Regel nur mit Verträgen mit einer Laufzeit von 24 Monaten oder über alternative Finanzierungsmodelle wie z.B. die o2 My Handy Finanzierung.

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Das Problem an der Sache: Die klassische Subventionierung von Handys gibt es längt nicht mehr. Die Geräte werden heutzutage zwar ebenfalls in die Tarife integriert und über die Paketpreise abgerechnet, jedoch kaum noch mit einem echten Nachlass versehen. Gerade bei aktuellen Top-Smartphones, die oft mehr als 1.000 Euro kosten, sind Paketpreise von 50 Euro und mehr pro Monat längst keine Seltenheit mehr. Dabei kalkulieren die Anbieter hier mit 24 Monaten Vertragslaufzeit und können dadurch noch vergleichsweise moderate Paketpreise schnüren.

Nachteile durch kürzere Laufzeiten für Verbraucher

Doch was passiert, wenn die Kalkulation nicht mehr mit einer Laufzeit von 24 Monaten erfolgt, sondern mit deutlich kürzeren 12 Monaten? An den Gesamtkosten selbst ändert das nichts, wirkt sich jedoch auf die monatlichen Paketpreise aus. Denn die kalkulieren die Anbieter dann entsprechend auf 12 Monate. Für Verbraucher bedeutet das, dass diese sehr wahrscheinlich monatlich tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn diese ihr Wunschgerät samt Tarif erwerben möchten. Bei einer Laufzeit von 12 Monaten könnte die monatliche Grundgebühr für Tarife mit Smartphone teils über 100 Euro liegen.

Schon heute erheben die Netzbetreiber und Anbieter für die monatlich kündbaren Tarifvarianten einen Aufpreis von bis zu 5 Euro pro Monat. Bei einer Reduzierung der Laufzeit auf 12 Monate ist ein ähnlicher Mechanismus auch bei den Laufzeit-Tarifen denkbar. Insgesamt verschiebt sich in jedem Fall die Kalkulation und damit auch der monatliche Paketpreis. Für die Verbraucher, die von der Anpassung der Laufzeit profitieren sollen, ergeben sich so vor allem bei der monatlichen Grundgebühr erhebliche Nachteile.

Bonitätsprüfung könnte härter ausfallen

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Anbieter die Bonitätsabfrage über die Schufa verschärfen. Denn die durch die kürzere Laufzeit höheren Gebühren erhöhen das Risiko der Anbieter. Diese könnten dazu übergehen, dieses Risiko mit strengeren Vorgaben bei der Bonitätsprüfung auszugleichen. In Folge dessen könnten Kunden, die bislang keine Probleme bei der Bonitätsprüfung hatten, bei einem Neuvertrag mit Handy abgelehnt werden.

Photo by NordWood Themes on Unsplash
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Auch den Fachhandel könnte der Vorstoß der Regierung ins Trudeln bringen. Denn kürzere Laufzeiten bedeuten auch weniger Provision. Da die Shops vor Ort schon seit Jahren mit der Konkurrenz aus dem Internet kämpfen, könnte dieser Einnahmeverlust für viele Geschäfte nicht mehr aufzufangen sein. Dadurch könnte sich das Sterben der Handyläden in den Centern und Einkaufspassagen verstärken und beschleunigen. Für Mobilfunkkunden bricht dadurch ein wichtiger Informations- und Beratungskanal weg.

Fazit: Laufzeit-Vorschlag mit Vor- und Nachteilen

Der Vorschlag der Bundesregierung mag für viele Verbraucher wie ein positives Signal an den Verbraucherschutz klingen, birgt jedoch nicht nur Vorteile. Vor allem die direkt Betroffenen, also die Kunden, müssen sich dadurch auf höhere Monatspreise einstellen oder eine strengere Bonitätsprüfung befürchten. Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass diese für mehr Flexibilität im Vertragswesen auch einen höheren Preis bezahlen müssen. Möglicherweise einen, der auf lange Sicht mehr Nachteile mit sich bringt als die Reduzierung der Laufzeiten Vorteile birgt.

In jedem Fall sollte es in bestimmten Fällen wie z.B. Bundle-Angeboten Ausnahmereglungen für Handytarife geben. Verbraucher sollten hier selbst entscheiden können, ob der monatliche Hardwarepreis mit einer Laufzeit von 12 Monaten oder besser 24 Monaten bezahlbar ist. Andernfalls bleibt den Anbietern nur die Möglichkeit, ähnliche Finanzierungsmodelle wie z.B. o2 My Handy einzuführen.

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