simquadrat Roaming-Fehler: Falsche Abrechnungen unbedingt prüfen

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Offenbar hat der Anbieter simquadrat rund vier Jahre lang die EU-weit gültige Roamingverordnung falsch interpretiert. Dadurch kann es bei vielen Kunden zu falschen Abrechnungen gekommen sein. Betroffene Kunden sollten ihre Rechnungen auf falsche Roamingposten prüfen und diese ggf. reklamieren.

simquadrat: EU-Roaming falsch interpretiert

Die Roaminggebühren sind seit Juni 2017 Geschichte. Seitdem gilt das „Roam-like-at-Home-Prinzip“, welches festlegt, der der inländische Tarif im EU-Ausland wie Zuhause gilt. Über einen Stolperstein in der Auslegung der Verordnung ist nun offenbar simquadrat gepurzelt. Denn der virtuelle Netzbetreiber hat die Roaming-Vorgaben gut vier Jahre lang falsch ausgelegt. Darauf wurden die Kollegen von Teltarif aufmerksam, nachdem ein Kunde des Anbieters seine Probleme schilderte.

Ihm war aufgefallen, dass seine Sprachflat, mit der er in Deutschland unbegrenzt zu deutschen Nummern telefonieren konnte, nicht wie in der Roaming-Verordnung vorgesehen im EU-Ausland galt. Dort konnte er zwar kostenlos nach Deutschland telefonieren, nicht jedoch innerhalb des EU-Landes oder in ein anderes EU-Land. Dabei gehört das zu den Regelungen, die seit 2017 gelten. Darauf angesprochen wiegelte simquadrat zunächst ab und erklärte den Sachverhalt mit einer eigenen Interpretation der Roamingverordnung:

Die EU-Roaming-Verord­nung besagt, dass Sie die Funk­tionen, die Sie in Deutsch­land nutzen, in allen EU-Ländern ohne Mehr­kosten nutzen können. Mit Ihrer Deutsch­land-Flat können Sie nur deut­sche Rufnum­mern kosten­frei anrufen. Andere euro­päi­sche Rufnum­mern, wie eine öster­rei­chi­sche Rufnummer, können Sie mit dieser Flat nicht kosten­frei anrufen. Diese sind nämlich nicht in der Flat enthalten. Sie können also in Öster­reich oder in anderen EU-Ländern weiterhin kosten­frei nach Deutsch­land tele­fonieren. Sofern Sie kosten­frei in euro­päi­sche Länder tele­fonieren möchten, müssen Sie eine EU-Flat buchen.

 Kunden von simquadrat sollten Rechnungen prüfen

Nachdem sich die Kollegen einschalteten, wurden man bei simquadrat offenbar auf den Fehler aufmerksam und räumte ein, von einem falschen Sachverhalt ausgegangen zu sein. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte:

Das Miss­ver­ständnis kam dadurch zustande, dass wir die Roaming-Verord­nung anders inter­pre­tiert hatten, als die BNetzA dies tut. In der Verord­nung wird fest­gelegt, dass Kund:innen, die sich im Ausland befinden, ledig­lich der soge­nannte „inlän­dische Endkun­den­preis“ berechnet werden darf. Unserem Verständnis nach war dies der Preis, den Kund:innen für dieselbe Leis­tung auch in Deutsch­land bezahlen würden. Unsere DE-Flat deckte somit alle Gespräche nach Deutsch­land ab – egal, wo in der EU und dem EWR man sich gerade aufhält. Die für uns über­raschende Defi­nition des „inlän­dischen Endkun­den­preises“ sieht jedoch vor, dass Gespräche von zum Beispiel Polen nach Polen oder von Polen nach Öster­reich eben­falls von der DE-Flat abge­deckt werden sollen. Befindet man sich also außer­halb Deutsch­lands, wird eine DE-Flat faktisch zur EU-Flat. Ganz wichtig: Obwohl diese Inter­pre­tation der Verord­nung uns über­rascht hat, sind wir keines­falls dagegen.

[…] Beim Abgleich der Regu­larien mit unseren bereits bestehenden Kondi­tionen, kamen wir 2017 zu dem Schluss, dass diese mit unserem Konzept vom Wegfall der Roaming-Gebühren über­ein­stimmen. Wir haben daher nur noch bestimmte Aspekte ange­passt und erwei­tert, aber nicht an unserem Grund­ver­ständnis von Roaming gezwei­felt. Ganz offen­sicht­lich ein Fehler, den wir bedauern.

Konkret heißt das, dass die Roamingverordnung offenbar gut vier Jahre lang falsch angewendet wurde. Das dürfte bei vielen Kunden zu falschen Abrechnungen im EU-Roaming geführt haben. Deswegen sollten Kunden, die sich seit 2017 im EU- und EWR-Auslanf aufgehalten haben und die DE Flat nutz(t)en, ihre Rechnungen auf Unstimmigkeiten prüfen. Wurden dort Gespräche berechnet, die eigentlich vom Roaming abgedeckt sind, sollten diese reklamiert werden. Die Sprecherin des Unternehmens verspricht:

Wir sind daher im Prozess, unser System an die Vorgaben der BNetzA anzu­passen und prüfen selbst­ver­ständ­lich, inwie­weit Rech­nungs­kor­rek­turen möglich sind.

Unsere Kunden­betreuer:innen sind über die Sach­lage infor­miert.

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