Telekom darf Glasfaser-Anschlüsse der Konkurrenz drosseln

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Die Bundesnetzagentur hat der Telekom weitreichende Rechte bei der Begrenzung der Konkurrenz eingeräumt. Dadurch darf der Netzbetreiber immer dann regulierend eingreifen, wenn Konkurrenzangebote das hauseigene Vectoring stören.

Umstrittenes Vectoring vs. Glasfaser

Obwohl viele Experten Glasfaser gegenüber Vectoring bevorzugen hat die Telekom als Vectoring-Platzhirsch weitreichende Rechte bei der Internetbereitstellung an Verbraucher erhalten. Nun hat die Bundesnetzagentur dem Netzbetreiber ein weiteres Recht eingeräumt, mit dem die Telekom direkt Einfluss auf Konkurrenzangebote nehmen kann. Dadurch haben Glasfaser-Kunden der Wettbewerber zum Teil das Nachsehen.

Während das umstrittene Vectoring auf Basis von Kupferleitungen arbeitet, nutzen viele Wettbewerber der Telekom bereits Glasfaseranschlüsse. Liegen beide Technologien in einem Haus an kann es jedoch zu Problemen kommen. Das liegt daran, dass sich die Signale in den Kupferkabeln, die das Internet vom Keller in die Wohnungen leiten, überschneiden und gegenseitig stören. Die Folge sind Abbrüche, langsame Geschwindigkeiten und Ausfälle.

Telekom darf Wettbewerber drosseln

Treten diese Störungen auf, darf die Telekom nun gemäß der Entscheidung der Bundesnetzagentur die Konkurrenz ausbremsen. Das heißt, dass die Telekom verlangen kann, dass die Wettbewerber die Datenraten an ihren Glasfaseranschlüssen auf maximal 600 Mbit/s begrenzen. Im Extremfall kann der Netzbetreiber sogar die Abschaltung des Konkurrenzproduktes durchsetzen.

Zwar mögen maximale Surfgeschwindigkeiten von 600 Mbit/s nach viel klingen, im Hinblick auf die kommenden Gigabit-Geschwindigkeiten von mehr als 1000 Mbit/s haben Kunden der Wettbewerber in Zukunft jedoch das nachsehen. Für die Telekom wäre das ein möglicherweise entscheidender Wettbewerbsvorteil, der von der Bundesnetzagentur sogar legitimiert wird. „Der Regulierer räumt mit seiner Entscheidung der Vergangenheit Vorfahrt gegenüber der Zukunft ein“, meinen BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers und BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer in einer Mitteilung.

Telekom darf über Leitungen entscheiden

Den Eingriff der Telekom macht eine weitere Festlegung der Bundesnetzagentur möglich, die dem Netzbetreiber die Leitungshoheit zuspricht. „Die Telekom hat bei der Frage der Gebäudeverkabelung die ‚Funktionsherrschaft‘, also die alleinige Verfügungsgewalt, und darf damit höherwertige Glasfaseranschlüsse, die ihr Vectoring-Signal stören, notfalls abschalten.“, erklärt Dr. Stephan Albers. „Anstatt zukunftssicherer Glasfaser bis in die Gebäude einen klaren Vorrang einzuräumen, wird vielmehr der Telekom ein ‚Bestands- und Vertrauensschutz‘ auf ihre längst abgeschriebene Kupfer-Infrastruktur gewährt.“

Also Lösung für die Wettbewerber, um der Drosselung und Abschaltung zu entgehen, sieht die Bundesnetzagentur den Ausbau der Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnungen an. Allerdings weisen die beiden Verbandsgeschäftsführer darauf hin:

Die Bundesnetzagentur weiß sehr genau, dass im Falle bestehender Wohngebäude ein Glasfaserausbau bis in jede einzelne Wohnung nicht zeitnah realisierbar ist und es in nahezu keinem Fall bereits entsprechende Glasfaserleitungen gibt, die mitgenutzt werden können. Der hier aufgezeigte Weg stellt daher keine realistische Lösung des Problems dar, sondern stellt die Wettbewerber der Telekom vielmehr ins Abseits.

Breitbandziele der Bundesregierung

Die neuen Regelungen sollen im Laufe des Jahres in Kraft treten. Ob es bis dahin noch Änderungen geben wird bleibt abzuwarten. Die Verbände BREKO und BUGLAS sind sich jedoch sicher, dass ein solches Vorgehen die Breitbandziele der Bundesregierung behindere und vor allem für die Verbraucher Nachteile mit sich bringt. Nachdem das Ziel, bis 2018 mindestens 50 Mbit/s in alle Haushalte zu liefern, gescheitert ist, hat sich die Bundesregierung nun flächendeckende Gigabitgeschwindigkeiten bis 2025 auf die Fahne geschrieben.

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2 Kommentare

  1. Vetternwirtschaft nenne ich das, da könnte einem schlecht werden, wer verdient da wieder mit, so gibt es keine konkurenz und ein Monpol, ich könnte kotzen

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