Telekom: Kritik am LTE-Netzausbau scheinheilig und Studie zweifelhaft

0
132

Eine Mobilfunkstudie zur LTE-Netzabdeckung in Deutschland erhitzte zum Jahresende die Gemüter.  Die Telekom wirft der Grünen Bundesfraktion „Scheinheiligkeit“ vor und zweifelt das Testergebnis an. Auch Vodafone hält die Studie für eine Fehlinterpretation.

Telekom nennt Kritik am LTE-Netz als scheinheilig

Laut der P3 Mobilfunkstudie, im Auftrag der Grünen Bundesfraktion“, sind die deutschen Handynetze schlechter ausgebaut als in Albanien. Demnach landet Deutschland in Europa in Sachen LTE-Netzausbau auf dem letzten Platz. Daraufhin gab es vor allem von den Grünen heftige Kritik an der Mobilfunkversorgung in Deutschland.

Vor allem der Telekom, mit dem besten deutschen Handynetz, stößt die Mobilfunkstudie sauer auf. So nennt Telekom-Sprecher Markus Jodl auf Twitter die Kritik als scheinheilig. „Dafür ist das Wort ’scheinheilig‘ erfunden worden. Die Grünen haben sich in einem Gemeinderat noch nie für einen Mobilfunk-Standort eingesetzt. Da kommt immer ein ‚Nein'“, twitterte Jodl. Laut der Telekom verhindern z.B. viele Gemeinden die Schließung von Funklöchern durch neue Mobilfunkmasten.

Telekom und Vodafone zweifeln Studie an

Zudem hat die Telekom selbst Zweifel an den Ergebnissen der Studie, berichtet der Stern. Die Telekom beruft sich demnach auf die geringe Anzahl von Testgeräten sowie auf die Tatsache, dass viele Kunden im Telekom-Netz von Mobilfunkdiscountern kein LTE nutzen können. Dadurch wäre die durchschnittliche Bandbreite bei vielen Telekom-Kunden nicht so hoch wie in anderen Ländern. Der Netzbetreiber Vodafone glaubt dagegen, dass es sich beim Ergebnis um eine Fehlinterpretation handle. Am schlechten Ergebnis seien demnach nicht das Vodafone-Netz, sondern die Tatsache, dass viele Kunden keinen LTE-Tarif nutzen schuld. Telefonica möchte das Ergebnis lediglich im „Detail prüfen“.

Allerdings hat P3 diese Kritikpunkte in der Studie berücksichtigt. Denn beim sammeln der Daten wurde nicht nur die Empfang, sondern auch die Qualität der Verbindung, laut P3-Geschäftsführer Hakan Ekmen beachtet. So wurde berücksichtigt, wenn ein Handynutzer einen Tarif ohne LTE nutzte und nur 3G Empfang möglich war. Zudem wurden die Daten von Kunden nicht eingerechnet, bei denen eine Drosselung aufgrund des aufgebrauchten Datenvolumens griff. Für die Vergleichbarkeit der Testergebnisse war daher LTE grundsätzlich nutzbar.

Angst vor National Roaming

Bei den Netzbetreibern geht vor der 5G Frequenzauktion die Angst um. Obwohl die Bundesnetzagentur bei den finalen Vergaberegeln die Mobilfunkanbieter nicht zum National Roaming verpflichtet, haben o2 und Vodafone gegen die Regeln der Frequenzvergabe geklagt. Denn die Bundesregierung kann das Telekommunikationsgesetz noch vor der 5G Versteigerung ändern und die Netzbetreiber so zu einem National Roaming verpflichten. Zudem fürchten die Mobilfunkanbieter neuer Konkurrenten, die sich ein nationales Roaming zunutze machen könnten.

Allerdings kommt es vor allem auf die Ausgestaltung des National Roamings an. Sicherlich kann es beim richtigen Ansatz nicht nur Verlierer bei den Netzbetreibern geben, sondern auch eine Win-Win-Situation für allle geben.