Telekom kritisiert geplantes Pflicht-Roaming vehement

0
122

Das verpflichtende National Roaming hängt wie ein Schreckgespenst über den derzeitigen Diskussionen zur 5G-Vergabe. Die Telekom ist von einer Pflicht zur Öffnung der Netze wenig begeistert und äußert sich nun in einem klarem Statement.

5G-Vergabe scheidet die Geister

Anfang 2019 wollen Bundesregierung und Bundesnetzagentur die 5G-Frequenzen an die Netzbetreiber vergeben. Dafür ist ein Versteigerungsverfahren angedacht, welches jedoch an strenge Vorgaben zum Netzausbau und der Versorgung der Bevölkerung gekoppelt sein soll. Ein erster Entwurf dieser Vorgaben stieß auf viel Kritik. Nun soll die endgültigen Regelung Ende November von der Bundesnetzagentur vorgelegt werden.

Bereits vor Veröffentlichung dieser finalen Regelungen wurde bekannt, dass die Bundesnetzagentur die Bedingungen gegenüber dem ersten Entwurf noch einmal verschärft haben könnte. Auch das von der Aufsichtsbehörde und Bundesregierung geforderte National Roaming, welches bei den Netzbetreibern auf Ablehnung stößt, ist wieder im Gespräch. Statt einer Verpflichtung zur 5G-Versteigerung soll nun offenbar das Telekommunikationsgesetz geändert werden.

Telekom spricht sich gegen National Roaming aus

Gegen diese Verpflichtung zur Öffnung der eigenen Netze spricht sich nicht nur die Telekom aus. Dennoch hat das Unternehmen nun in einem Blogeintrag Stellung bezogen und ein eindeutiges Statement veröffentlicht. In den Augen des Netzbetreibers helfe ein verpflichtendes Roaming auf nationaler Ebene nicht dabei, weiße Flecken in der Versorgung zu tilgen. Stattdessen würden gerade ländliche Regionen, bei denen es bereits am Ausbau fehlt, weiter ins Hintertreffen geraten. Dabei zieht die Telekom die Lage in Kanada als Beispiel heran. Dort hatte es ebenfalls eine Verpflichtung zum National Roaming gegeben:

In Kanada wurde ein vierter Betreiber – Wind – zugelassen und verpflichtendes Roaming eingeführt. Wind hat daraufhin vor allem in den Metropolen ausgebaut, eben dort, wo es sich lohnt. Die anderen Betreiber hatten bzw. haben dadurch keine andere Wahl, als ebenfalls in den Metropolen auszubauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Ausbau auf dem Land ist dadurch quasi zum Erliegen gekommen.

Das Statement hat vor allem den Konkurrenten United Internet (1&1) im Blick, der sich durch geeignete Vergabevorgaben einen Einstieg als vierter Netzbetreiber erhofft. Dabei habe United Internet bei einer Anhörung der Bundesnetzagentur bereits angegeben, dass ein Zugang zum Netz keine weißen Flecken beseitigen würde, heißt es. „Die jetzt zur Vergabe stehenden Kapazitätsfrequenzen sind selbstverständlich nicht für die Schließung weißer Flecken geeignet“, zitiert die Telekom den Konkurrenten.

Telekom übt Kritik an 1&1

Als ebenfalls negativ empfindet die Telekom die vereinfachten Bedingungen für Neueinsteiger:

Während für die Netzbetreiber die Vergabebedingungen massiv hochgeschraubt wurden, soll der Start in den 5G-Ausbau für Neueinsteiger sehr erleichtert werden. Sie müssten zu Beginn gerade einmal ein Viertel der Versorgungsauflagen der etablierten Netzbetreiber erfüllen. Da sie über das Roaming dann aber auf die LTE-Netze beispielsweise der Telekom zugreifen dürften, könnten sie diese Auflagen ohne großen eigenen Aufwand erfüllen. Das hat mit Wettbewerb wenig zu tun.

Eine Vorstellung, wie sich die Situation mit einem verpflichtenden National Roaming darstellen könnte, zieht die Telekom aus dem Festnetzbereich. Dort können andere Anbieter bereits seit Jahren auf die Infrastrukturen der Netzbetreiber zugreifen und günstigere Preise anbieten. Den Netzausbau habe das jedoch keinen Schritt nach vorn gebracht, heißt es. „Das schlechte Beispiel aus dem Festnetz soll jetzt also auf den Mobilfunk übertragen werden. Das ist industriepolitisch tatsächlich ein Desaster. Es werden die belohnt, die nicht investieren“, schließt das Statement.

Dabei arbeitet die Telekom bereits an eigenen Lösungen für die Ausbauproblematik. So ist das Unternehmen vor kurzem eine Kooperation mit Telefónica eingegangen und hat einen 8-Punkte-Plan veröffentlicht.

Diese Seite jetzt selbst bewerten:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen, sei der Erste.)
Loading...

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here