Telekom-Shop händigt falsche Kundendaten aus – So schützen Sie sich

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Photo by NordWood Themes on Unsplash
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Ein Telekom-Shop in Schleswig-Holstein hat einer Kundin nicht nur die eigene Datensicherung ausgehändigt, sondern auch die Daten anderer Kunden. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann. Deshalb sollten Sie immer gut auf Ihre Daten achten. Wir zeigen Ihnen wie das geht.

Telekom-Shop händigt falsche Daten aus

Wer ein neues Smartphone bekommt, will meist nicht wieder bei Null anfangen. Deshalb können Kunden, die sich die Datensicherung nicht zutrauen, oft den Service der Mobilfunkanbieter nutzen. Neben einer Sicherung, zum Beispiel auf einem USB-Stick, ist dort auch oft der einfache und schnelle Datentransfer auf das neue Gerät möglich. Eine Telekom-Kundin ist dabei nun auf einen eklatanten Datenschutzverstoß in einem Shop aufmerksam geworden.

Wie die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein berichtet, hatte die Frau in einem Telekom-Shop in Schwentinental in der Nähe von Kiel eine Datensicherung ihres bisherigen Smartphones anfertigen lassen. Die Daten wurden auf einen USB-Stick gezogen und der Kundin später ausgehändigt. Zuhause stellte die Frau jedoch fest, dass sich auf dem Speichermedium nicht nur die eigenen Daten, sondern auch die von sieben weiteren Personen befanden.

Datenleck im Telekom-Shop

Darunter waren nicht nur Anrufprotokolle inklusive Namen und Telefonnummern, sondern auch private Bilder und Videos sowie die Logins für Webseiten und Onlineshops. Offenbar hatten diese sieben anderen Kunden ebenfalls eine Datensicherung in dem Telekom-Shop vornehmen lassen. Nun waren ihre Daten mit auf den USB-Stick der Kundin gerutscht.

Was auf den ersten Blick kurios erscheint, kann im Ernstfall schwere Folgen haben. Denn die unkontrollierbare Bereitstellung fremder Daten birgt ein hohes Missbrauchspotenzial. Immerhin weiß niemand, wer die Daten in welchem Umfang in die Finger bekommt. Den Angaben nach könnten mehrere hundert Kunden betroffen sein, die ebenfalls in dem Shop eine Datensicherung durchgeführt haben bzw. in den Dateien genannt werden. Denn es ist nicht sicher, dass der USB-Stick der Kundin der einzige ist, der mehr als ihre eigene Daten enthielt. Zudem lässt das Datenleck vermuten, dass sich die zum Teil sehr persönlichen Daten zahlreicher Telekom-Kunden auf den Systemen des Shops befinden und dort ebenfalls Dritten zugänglich sind.

Bei Datenmissbrauch droht Abmahnung

Die Weitergabe von persönlichen Daten ohne Wissen der Betroffenen ist nicht nur durch die Einführung der DSGVO im Sommer 2018 problematisch. Denn die Daten sind zum Teil so sensibel, dass sie ein hohes Missbrauchspotenzial bieten. Denn mit den Zugangsdaten zu Onlinekonten und Webshops können Dritte zum Beispiel unbemerkt auf Kosten der Betroffenen einkaufen gehen. Auch Telefonnummern, Bilder und Videos bergen zum Teil Informationen und Details, die Nutzer nicht in den Händen anderer wissen wollen.

„Für die Betroffenen ist diese Panne extrem unangenehm und bedeutet in einigen Fällen ein Sicherheitsrisiko mit kaum abschätzbaren Folgen“, erklärt Dr. Boris Wita, Jurist bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Dabei sieht der Fachmann vor allem Probleme im Telekom-Shop. Denn der hätte die Daten nur zweckgebunden speichern dürfen. „Das heißt, nach dem Übertragen vom Smartphone auf den USB-Stick für den Kunden hätten die Dateien direkt gelöscht werden müssen.“ Vor allem, da unklar ist, um viele Datensätze es sich tatsächlich handelt. „Möglicherweise ist das bisher Bekannte nur die Spitze des Eisbergs und es sind noch mehr Menschen betroffen“, so der Jurist. Derzeit prüfen die Verbraucherzentrale und der Bundesdatenschutzbeauftragte, ob eine Abmahnung und ein Bußgeld gegen den Shop bzw. die Telekom möglich sind.

Der Datentransferprozess der Telekom sieht vor, dass die Telekom-Mitarbeiter in den Shops für jeden Kunden einen neuen USB-Stick verwenden, den der Kunde anschließend gegen eine Gebühr erhält. So soll sichergestellt werden, dass kein Datenleck entsteht und Dritte aus Versehen falsche Daten erhalten.

Datensicherung vor Ort – So schützen Sie sich

Viele Shops bieten ihren Kunden eine Datensicherung oder den Transfer wichtiger Informationen von einem auf ein anderes Handy an. Oft wird das direkt im Verlauf des Verkaufsgespräch angeboten und ist meist eine kostenfreie Serviceleistung. Dass Kunden damit viele sensible Daten aus der Hand geben, ist ihnen häufig gar nicht bewusst. Dabei können Fehler wie im Schwentinentaler Telekom-Shop immer passieren. Denn auch wenn die Prozesse der Anbieter massiv auf Datensicherheit ausgelegt sind, halten sich nicht alle Mitarbeiter an die Regeln.

Theoretisch sollten diese die erhobenen Daten nach erfolgreichem Transfer löschen. Oft genug passiert das jedoch nicht. Stattdessen werden die Daten auf dem Rechner gespeichert und erst später oder gar nicht gelöscht. Meist verfolgen die Mitarbeiter der Shops damit gar keine böse Absicht, sondern wollen lediglich einen Mehrwert bieten. Zum Beispiel eine erneute Datenbereitstellung, wenn die alte aus Versehen vom Kunden überschrieben oder gelöscht wurde. Ebenfalls recht häufig dürfte auch ein fehlendes Unrechtsbewusstsein oder mangelnde Sorgfalt Schuld sein.

Sichern Sie Ihre Daten am besten selbst

Deshalb sollten Kunden am besten selbst darauf achten, eine regelmäßige Datensicherung anzulegen und diese daheim auf einem geeigneten Medium zu speichern. Dadurch stehen wichtige Informationen weiterhin zur Verfügung. Zum Beispiel bei Neuerwerb oder Verlust des Smartphones. Das macht zwar etwas mehr Arbeit, sorgt aber dafür, dass Dritte nicht so leicht Zugriff erhalten.

Auch beim Verkauf oder der Entsorgung sollten Sie persönliche Daten vom Smartphone löschen, um einen Missbrauch zu vermeiden. Dafür bieten die Geräte von Haus aus einen sogenannten „Werksreset“. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie anschließend einen neuen Nutzer mit beliebigen Daten (natürlich keinen echten) anlegen und diesen erneut löschen.

Ein Garant ist das jedoch noch nicht. Denn auch beim alltäglichen Umgang gibt es ein paar Punkte zu beachten. So sollten wichtige Passwörter und Zugänge nicht ungesichert im Gerät gespeichert werden. Außerdem sollten Nutzer darauf achten, welche Apps sie installieren, um sich nicht unbemerkt Schadsoftware einzufangen. Wer partout gar nicht selbst zurecht kommt, kann natürlich weiterhin den Service in den Shops nutzen, sollte sich des Risikos jedoch bewusst sein.

Ob Sie bereits Opfer eines Datenlecks wurden, können Sie unter anderem hier überprüfen.

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