Nicht bestellte Amazon Pakete – Betrug, Versehen oder Fake-Verkauf?

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Wer eine Onlinebestellung tätigt, freut sich auf das Eintreffen der Lieferung. Doch wie verhält es sich mit Amazon Paketen, die gänzlich ohne vorherige Bestellung geliefert werden? Handelt es sich um ein Versehen, Betrug oder Abzocke? Müssen Kunden unbestellte Sendungen aufbewahren oder gar reklamieren? Lesen Sie hier, was es bei unerwünschten Amazon und anderen Lieferungen zu beachten gibt.

Nicht bestellte Amazon Pakete erhalten

In der Regel erhalten Kunden nur die Pakete, die sie auch bestellt haben. Allerdings kann es auch vorkommen, dass Sendungen eintreffen, die gar nicht geordert wurden. Das führt bei vielen Kunden zur Verwirrung. Oft auch zur Sorge, wie sie sich nun verhalten sollen. Denn ungewollte Pakete sind oft keine Freude, sondern ein Ärgernis.

Bereits in der Vergangenheit machten vor allem unbestellte Amazon-Pakete von sich reden. Damals hatten Marketplace-Händler niedrigpreisige Wegwerfartikel an unwissende Kunden verschickt. Ziel der Aktion war es, positive Rezensionen zu generieren. Denn die Kunden, die ein Produkt „geschenkt“ bekommen, sind eher geneigt, dieses positiv zu bewerten als echte Kunden – so zumindest die Idee hinter den überraschenden Zusendungen. Allerdings hat Amazon dieser Masche schnell einen Riegel vorgeschoben und die so arbeitenden Marketplacehändler gesperrt.

Aktuelle Amazon Masche der Betrüger

Auch derzeit treffen wieder verstärkt unbestellte Amazon-Pakete bei Kunden ein. Darüber informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und erklärt, was es mit der Masche auf sich hat. In den Paketen finden sich verschiedene Waren. Darunter Smartphones (etwa von Huawei), Ferngläser, Sexspielzeug, Kameras und andere Artikel. Diesmal weisen die Artikel – anders als bei früheren Wellen – auch einen gewissen Wert auf. So sollen zum Beispiel die Smartphones zum Teil einen Wert von 200 Euro haben.

Selbstverständlich lösen unbestellte Zusendungen – vor allem mit diesem Warenwert – Verwirrung bei den Empfängern aus. Denn diese haben die Bestellung gar nicht getätigt und finden in den Paketen auch keinen Hinweis auf den Absender sowie keinerlei Bestellbestätigung oder Rechnung. Lediglich am Amazon-Logo ist zu erkennen, dass die Waren aus den Amazon Logistikzentren stammen. Wer nun an einen Hackerangriff glaubt, der das eigene Amazon-Konto infiltriert und die Bestellung ausgelöst hat, wird enttäuscht. Denn im eigenen Account findet sich keine passende Bestellung, auch eine Abbuchung oder Zahlungsaufforderung gibt es nicht.

Amazon spricht von betrügerischen Methoden

Betroffene Kunden, die bei Amazon nachfragen, erhalten in der Regel die Info, dass die Bestellung von einem Dritten ausgelöst und zu ihnen geschickt wurde. Dabei erhalten einige Empfänger zum Teil mehrere Pakete binnen weniger Tage. Ein Nutzer aus Solingen soll den Angaben nach bereits elf unbestellte Pakete bekommen haben. Bei Amazon ist die Masche bekannt. Dabei bezeichnet das Unternehmen diese als „betrügerische Methoden“. Denn die Pakete stammen nicht von Amazon selbst, sondern von Marketplace-Händlern. Allerdings hätten diese die Adressdaten der Empfänger nicht von Amazon erhalten. Wie die Daten in die Hände der Händler gelangen konnten bleibt also unklar.

Warum erhalten Sie unbestellte Pakete?

Weshalb verschiedene Kunden immer wieder in Wellen unbestellte Pakete erhalten ist oft unklar. Möglicherweise nutzen die oft aus dem asiatischen Raum stammenden Verkäufer diese Methode, um im Amazon-Ranking aufzusteigen. Denn wer viel verkauft, steigt auf der Beliebtheitsskala auf. Entsprechend steigen auch die Produkte im Anzeigeranking und werden priorisiert positioniert. Ebenfalls denkbar ist die Generierung positiver Bewertungen. Denn wer einen Artikel „geschenkt“ bekommt, urteilt mitunter deutlich positiver als ein echter Kunde. Auch das wirkt sich positiv auf weitere Verkäufe aus.

Eventuell ist den asiatischen Händlern auch einfach die Retoure der bei Amazon eingelagerten Waren nach Asien zu teuer und sie versuchen durch die Zusendung an unwissende Kunden kostengünstig die Lager zu leeren. Gerade bei eher niedrigpreisen Artikel kann das „Verschenken“ so deutlich günstiger sein als der Rückversand zum eigenen Unternehmen. Allerdings weist die Verbrauchrzentrale darauf hin, dass dieser Weg nicht bei allen Artikel sinnvoll erscheint. „Diese Maschen mögen auf Billigartikel passen, kaum aber auf gut verkaufte, teure Smartphones, die bereits über 500mal bewertet wurden“, heißt es.

Weshalb Händler unwissenden Verbrauchern unbestellte Waren zusenden, ist oft unklar. Dennoch sollten Sie als Empfänger nicht in Panik verfallen. Denn die Rechtslage bei unbestellt zugesendeten Artikel ist eindeutig und positiv für den Empfänger.

Unbestellte Pakete: So verhalten Sie sich richtig

Wer unbestellte Pakete erhält, muss erst einmal nicht in Panik verfallen. Denn die Rechtslage ist hier klar auf Seiten der Empfänger. Zwar können Händler theoretisch nach Lust und Laune Waren an unwissende Kunden verschicken – ein Vertragsverhältnis oder gar eine Zahlungspflicht entsteht dadurch jedoch nicht. Allerdings sollten Sie prüfen, ob die Lieferung nicht eventuell falsch an sie zugestellt wurde. Denn wenn erkennbar ist, das dem Versanddienstleister ein Fehler unterlaufen ist oder ein Zahlendreher das Paket zu ihnen statt zu ihrer Nachbarin geleitet hat, gelten andere Bedingungen.

Ist das Paket erkennbar nicht für sie bestimmt, sollten Sie den Absender kontaktieren. Verlangt dieser die Rückgabe, müssen Sie die Ware zurückgeben. Allerdings müssen Sie die Kosten dafür nicht tragen. Gleiches gilt für Bestellungen, die tatsächlich aufgegeben wurden, aber beispielsweise doppelt eintreffen – auch hier ist erkennbar, dass ein Fehler passiert ist.

Wenn ein Paket eintrifft, welches erkennbar für Sie bestimmt ist, aber von Ihnen nicht bestellt wurde, greift die Rechtslage bei unbestellter Ware. Und die ist auf Seiten der Empfänger. Denn bei unbestellten Artikeln sind Sie vereinfacht gesagt zu nichts verpflichtet. Sie müssen den Artikel weder zurücksenden, noch bezahlen oder gar auf die Lieferung reagieren.

Entsteht ein Kaufvertrag bei unbestellter Ware?

Grundsätzlich entsteht ein Kaufvertrag erst bei zwei übereinstimmenden Willenserklärungen. Vereinfacht gesagt heißt das: Sie geben eine Bestellung auf und der Händler sendet Ihnen diese zum vereinbarten Kaufpreis zu. Hier passen die Willenserklärungen zusammen. Sie möchten etwas kaufen, der Händler möchte an Sie verkaufen. Bei unbestellten Waren fehlt eine dieser Willenserklärungen – nämlich Ihre. Entsprechend kommt kein wirksamer Kaufvertrag zustande – auch dann nicht, wenn der Verkäufer etwas anderes behauptet oder gar zur Zahlung auffordert.

Muss ich auf unbestellte Waren reagieren?

Wer unbestellt Ware erhält muss auf diese Lieferung nicht reagieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt sogar davor, den Kontakt zum Verkäufer aufzunehmen. Denn:

Reagieren Sie auf die Zusendung der nicht bestellten Ware, zum Beispiel indem Sie den Absender kontaktieren und sich bedanken, kann das Angebot des Unternehmers als angenommen gelten – und Sie verpflichten sich zur Zahlung. Das kann beispielsweise auch für ironisch gemeinte „Vielen Dank“-Mails gelten.

Deshalb sollten Sie am besten gar nicht reagieren. Ein Nachteil entsteht Ihnen dadurch nicht. Im Gegenteil, Sie schützen sich damit sogar selbst.

Darf ich unbestellte Amazon Artikel behalten?

Unbestellte Waren müssen weder bezahlt noch zurückgeschickt werden. Auch aufbewahren müssen sie die Artikel nicht. Was Sie damit tun, ist Ihnen überlassen. Behalten, Nutzen, Entsorgen – entscheiden Sie selbst. „Nutzen – Verschenken – Entsorgen, so lautet der Dreiklang der erlaubten Möglichkeiten“, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Ich habe bereits bezahlt – was nun?

Wurde unbestellte Ware bereits bezahlt haben Verbraucher oft schlechte Karten, um die Zahlung zurückzuerhalten. Denn oft sehen Verkäufer die Zahlung als Zustandekommen eines Kaufvertrags an und verweigern die Rückzahlung. Gerade bei seriösen Händlern haben Sie jedoch oft die Möglichkeit, auf den Irrtum hinzuweisen und die Rückgabe der jeweiligen Leistungen (Sie die Ware, der Händler das Geld) zu erreichen. Allerdings kommen unbestellte Waren oft nicht von seriösen Händlern. Demnach gestaltet sich die Rückabwicklung oft eher schwierig.

„Ob die reine Zahlung der Ware zu einem Vertragsschluss führt, ist bisher nicht gerichtlich geklärt“, meint die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn rechtlich gesehen muss der Händler nachweisen, dass ein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen ist. Dieser kann nun jedoch argumentieren, dass die unbestellte Ware durch die Zahlung nachträglich legitimiert wurde. Wie ein Gericht in diesem Fall entscheidet ist also ein Glücksspiel. Mehr Chancen sehen die Verbraucherschützer in diesem Fall im Widerrufsrecht:

Bei sogenannten Fernabsatzverträgen, Kaufverträgen also, die nicht vor Ort, sondern zum Beispiel übers Internet oder am Telefon abgeschlossen wurden, haben Sie in der Regel ein Widerrufsrecht von zwei Wochen ab Vertragsschluss.

Der sicherste Weg sei jedoch, gar nicht erst auf die Lieferung zu reagieren und sich an den Grundsatz Nutzen – Verschenken – Entsorgen zu halten.

Fazit: Keine Angst vor unbestellten Amazon Paketen

Unbestellte Ware führt bei den Empfängern oft zu Verwirrung, Angst und Sorge. Dabei ist das unbegründet, da die Rechtslage hier auf Seiten der Verbraucher steht. Prüfen Sie, ob eine erkennbare Verwechslung vorliegt und nehmen Sie nur in diesem Fall Kontakt zum Verkäufer auf. Ist kein Irrtum erkennbar, können Sie die Ware nach ihren Wünschen Nutzen, Entsorgen, Verschenken und ähnliches. Eine Pflicht zum Aufbewahrung gibt es nicht. Auch Kontakt mit dem Verkäufer müssen Sie nicht aufnehmen – die Verbraucherzentralen raten davon sogar ab. Liegt dem Paket eine Rechnung bei, trudelt später eine Zahlungsaufforderung ein oder versucht man, ihnen für die unbestellte Ware Geld abzuknöpfen, gilt: Sie müssen unbestellte Ware nicht bezahlen. Denn ein gültiger Vertragsabschluss ist nicht zustande gekommen.

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1 Kommentar

  1. Cool!
    Liebe Amazon Marktplace Händler, ich hätte auch gern ein unbestelltes Paket mit einem Smarti….
    Ich habe aber leider nie Glück…

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