Wish.com Erfahrungen – Elektroschrott oder günstiges Schnäppchen?

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Die Schnäppchenplattform Wish verspricht zahlreiche Preiskracher und besonders günstige Angebote. Dabei stehen vor allem Elektronikprodukte im Fokus. Darunter auch Smartphones, Smartwatches und andere Mobile Devices. Doch Interessenten sollten vorsichtig sein. Oftmals handelt es sich bei den vermeintlichen Schnäppchen um nicht mehr als Elektroschrott – und der ist zumeist auch nicht ganz ungefährlich.

Wish Schnäppchenplattform – Was ist das genau?

Seit einiger Zeit gibt es das Schnäppchenportal Wish.com, über welches sich zahlreiche günstige Angebote sichern lassen. Neben Alltagsgegenständen bietet Wish vor allem Gadgets und anderen Kleinkram für wenige Euro an. Allerdings sind häufig auch günstige Elektroartikel verfügbar. Darunter auch Smartphones, Smartwatches und andere mobile Geräte. Mehr als 300 Millionen Nutzer sollen Wish den Angaben des Portals zufolge nutzen. Die angebotenen Produkte sind zwischen 60 und 90 Prozent günstiger als anderswo, heißt es. Doch was bedeutet das für Kunden genau?

Um das zu beantworten, muss man sich das Konzept der Plattform genauer ansehen. Ähnlich wie eBay agiert Wish nicht als direkter Händler und bietet die Artikel selbst an, sondern versteht sich als Vermittler zwischen Händler und Kunden. Das heißt, dass zahlreiche Händler ihre Waren über die Plattform anbieten und interessierte Kunden diese erwerben können. Dadurch ist Wish weit von dem entfernt, was deutsche Kunden unter einem klassischen Onlineshop verstehen. Stattdessen wird über die Plattform lediglich der Kontakt zwischen Händler und Kunden hergestellt.

Vermeintliche Smartphone-Schnäppchen bei Wish

China-Händler in der Überzahl

Dadurch tummeln sich auf Wish vor allem asiatische Händler, hauptsächlich aus China. Wer genau der Verkäufer ist, erfährt der Kunde in der Regel nicht. Es würde ihm wahrscheinlich auch wenig nutzen, da es sich dabei selten um bekannten Namen handelt. Fakt ist jedoch, dass Wish-Kunden keinen Kaufvertrag mit der Plattform eingehen, sondern mit dem chinesischen Händler.

Das wird vor allem dann problematisch, wenn es Probleme mit der bestellten Ware gibt. Zum Beispiel, wenn diese nicht der vereinbarten Qualität entspricht, beschädigt ist oder es um Gewährleistung und Garantie geht. Denn: Die Kommunikation mit dem Händler gestaltet sich oft schwierig. Außerdem greifen die in Europa gültigen Garantie- und Gewährleistungsbestimmungen nicht. Wer also hofft, den defekten Artikel schnell und einfach retounieren zu können, wird enttäuscht. Das klassische 14-tägige Widerrufsrecht, welches in Deutschland gesetzlich verankert ist, fehlt ebenfalls.

Smartphones, Smartwatches und Co. über Wish bestellen

Für Schnäppchenjäger mögen vor allem die zahlreichen Elektroangebote bei Wish attraktiv erscheinen. Dabei verspricht Wish bis zu 90 Prozent Rabatt auf erstklassige Technik. In Wahrheit handelt es sich beim Schnäppchen-Smartphone, der Billig-Smartwatch und der Günstig-Powerbank meist um typische chinesische Nachbauten. Das heißt, dass die Qualität oft deutlich zu wünschen übrig lässt und es sich lediglich um billige Plagiate und Nachbauten handelt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern oft auch gefährlich.

Wichtige Sicherheitsprüfungen wie sie in Europa üblich sind finden oft nicht statt. Prüfsiegel sind, wenn denn vorhanden, gefälscht und sollen europäischen Kunden Sicherheit vorgaukeln. Dabei sind die verwendeten Elektroteile meist billigster Bauart, schlecht verlötet und oft nur dilettantisch verbaut. Kurzschlüsse und Stromschläge gehören zu den nicht zu unterschätzenden Gefahren der Billig-Nachbauten aus China.

Billig-Handy bei Wish

Doch auch wer Geräte erwischt, die keine Stromschläge versetzen oder plötzlich zu brennen anfangen, hat mit diesen oft wenig Freude. Technisch können die Modelle meist nicht mit namhafteren Geräten mithalten. Die Bauteile und Komponenten sind nicht nur billig, sondern oft auch veraltet. Wer ein Smartphone für wenige Euro kauft und Qualität wie bei einem hierzulande erhältlichen Gerät erwartet, wird in der Regel enttäuscht.

Ähnliches gilt für Smartwatches, Powerbanks, Speicherkarten und ähnliches. Wenn sie denn funktionieren, dann meist nicht so wie versprochen. Oft stimmen die angegebenen Daten auch gar nicht mit der tatsächlichen Ware überein. So hat die 10.000 mAh Powerbank in Wahrheit meist eine deutlich niedrigere Leistung. Und die Speicherkarte mit 128 GB hat – wenn überhaupt – tatsächlich nur eine Kapazität von wenigen Gigabyte. Ob sich auf dem Chip zusätzliche Schadsoftware befindet, weiß der Käufer erst gar nicht.

Wer bei Wish bestellt, sollte sich im klaren darüber sein, dass er meist lediglich billige China-Ware erhält. Dabei handelt es sich zum Teil um Nachbauten bekannter Geräte. In der Regel versprechen die Artikel deutlich mehr als sie tatsächlich halten können.

Zudem kommen vor allem bei teureren Geräten noch Einfuhrumsatzsteuer und Zoll hinzu, die das Schnäppchen schnell zur Kostenfalle machen. Oft behält der Zoll fragwürdige Elektrogeräte auch gleich ein, weil wichtige Prüfsiegel nicht vorhanden oder gefälscht sind.

Versand, Zoll, Steuer und Co.

Doch nicht nur Gewährleistung, Garantie und Widerruf sind ein Problem bei vielen Wish-Bestellungen. Schon lange bevor die Ware möglicherweise einen Defekt aufweist, haben Kunden das Nachsehen.

Durch den Versand aus dem asiatischen Ausland liegen die Zustellzeiten oft bei mehreren Wochen. Häufig kommt die bestellte Ware deutlich später als angegeben an – oder gar nicht. Vor allem Waren, die Markenrechte oder Lizenzen verletzten, werden vom Zoll direkt einbehalten und machen sich nach der Ankunft in Deutschland gar nicht erst auf den Weg zum Kunden. Auch sonst ist der Zoll ein großes Problem, vor allem bei teureren Bestellungen.

Während Kleinkram meist irgendwann einfach im Briefkasten liegt, müssen größere Bestellungen oft beim Zoll abgeholt werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern meist auch zusätzliches Geld. Denn: Ab bestimmten Warenwerten fallen Einfuhrumsatzsteuer und Zoll an.

Regeln für Einfuhrumsatzsteuer und Zoll:

Waren bis zu einem Wert von 22 Euro sind von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Darüber hinaus müssen zusätzlich 19 Prozent Steuer entrichtet werden. Hinzukommen, je nach Artikel, Verbrauchssteuern.

Wer für mehr als 150 Euro bestellt, muss zudem zusätzlich Zoll entrichten. Dessen Höhe richtet sich nach dem Artikel und kann aus dem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein teures Gut machen.

Doch auch der Versand kann das Wish-Schnäppchen schnell in Luft auflösen. Denn bei Wish bezahlen Kunden in der Regel keine Pauschale wie hierzulande üblich, sondern pro Artikel. Auch dann, wenn sie dreimal das gleiche Produkt beim gleichen Händler erwerben. Zwar sind die Versandkosten meist bei wenigen Euro angesiedelt, summieren sich jedoch schnell, wenn mehrere Artikel im Warenkorb landen.

Durch diese Versandkosten ist der Grenzwert für die Einfuhrumsatzsteuer schnell erreicht. Denn dieser gilt für den Warenwert samt Versandkosten.

Berechnungsgrundlage für die Grenzwerte für Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und Co. ist der Warenwert der Bestellung inkl. Versand.

Das heißt, dass größere Bestellungen schnell über dem Grenzwert von 22 Euro oder 150 Euro liegen und dann Umsatzsteuer oder Zoll fällig wird.

Hohe Versandkosten bei Wish

Bezahlung und Rücksendung bei Wish

Die Bezahlung erfolgt bei Wish vor allem per Kreditkarte und PayPal. Alternativ können Kunden auch den Bezahldienst Klarna nutzen, der auch den Kauf auf Rechnung erlaubt. Problem dabei: Die Rechnung hat eine Fälligkeit von 14 Tagen nach dem Kauf. Die Ware kommt jedoch meist erst nach drei oder vier Wochen oder noch später an. Betroffene Kunden müssen sich selbst darum kümmern, dass Wish ihnen mehr Zeit gibt, um die Ware vor der Bezahlung auch in Augenschein nehmen zu können.

Darüber hinaus erhalten viele Kunden eine Rechnung von Klarna, ohne sich bewusst zu sein, dass es sich dabei um ihre Wish-Bestellung handelt. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt:

Wer die Zahlungsaufforderung deswegen ignoriert, bekommt deshalb Post von Klarna: Das Unternehmen verschickt Mahnungen nach relativ kurzen Fristen und schaltet auch Inkasso-Dienste ein, die zusätzliche Kosten verursachen. Ein Streit um wenige Euro teure Artikel kann Sie durch die Gebühren schnell ein Vielfaches des Warenwerts kosten.

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer sind die Rücksende-, Gewährleistungs- und Garantiebedingungen. Wie bereits angesprochen, sind diese nicht mit den deutschen Vorgaben zu vergleichen. Im Gegenteil, wer einen Artikel nicht behalten möchte, muss die Rücksendekosten oft selbst tragen. Dabei werden nach China oft höhere Versandkosten fällig als der Artikel wert ist. Die Verbraucherschützer erklären:

Muss ein Produkt zurückgeschickt werden, kann auch das zu einem hohen Kostenfaktor für Sie werden. Denn die Porto- und Zollgebühren für ein Paket müssen Sie nach den Rückgabebedingungen von Wish selbst zahlen. Sie bekommen für die ursprüngliche Lieferung Steuern und Zollgebühren auch nicht erstattet, wenn Sie Waren zurückgeben. Oft macht das einen großen Teil des Preises aus, den Sie gezahlt hatten – Sie erhalten also kaum etwas zurück.

Wenn keine Ware ankommt oder diese beschädigt ist, müssen sich Wisch-Kunden ebenfalls selbst kümmern, um die Zahlung zu verhindern oder bereits entrichtete Gelder zurück zu erhalten. Allerdings ist Wish offenbar bislang sehr kulant, wenn es um Rückzahlungen und dergleichen geht. Ob das immer so ist oder auf Dauer anhält, bleibt abzuwarten.

Fazit zu Wish.com

Obwohl Wish zahlreiche Schnäppchen verspricht und oftmals Waren anbietet, die es hierzulande nicht gibt, sollten Käufer vorsichtig sein. Da es sich oftmals um Waren aus China handelt, lässt die Qualität meist zu wünschen übrig. Die billigen Nachbauten sind oft sogar gefährlich.

Vor allem jedoch entpuppen sich viele Schnäppchen im Nachgang als Kostenfalle. Hohe und mehrfach notwendige Versandkosten verteuern die Produkte. Die Einfuhr aus China macht bei höheren Beträgen schnell Einfuhumsatzsteuer und Zoll notwendig. Außerdem gestalten sich Widerruf und Rücksendung sowie Gewährleistung und Garantie schwierig bis nahezu unmöglich.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, beim Kauf auf Wish auf folgende Punkte zu achten:

  • Prüfen Sie vor dem Kauf, woher Ihr gewünschtes Produkt kommt. Seien Sie vorsichtig bei vermeintlichen Schnäppchen aus Fernost.
  • Beachten Sie, dass zum eigentlichen Kaufpreis hohe Versandkosten auf Sie zukommen können.
  • Informieren Sie sich über die geltenden Zollbestimmungen, wenn Sie bei Händlern außerhalb der EU bestellen. Sonst können zusätzliche Steuern und Zollgebühren auf Sie zukommen.
  • Gehen Sie nach Möglichkeit nicht in Vorkasse, sondern zahlen Sie erst, wenn Sie die Ware erhalten haben und zufrieden sind. Bekommen Sie Zahlungsaufforderungen, bevor Sie Ware erhalten haben, ignorieren Sie sie nicht, sondern melden Sie sich beim Online-Kundenservice von Wish bzw. Klarna und erklären dort, dass Sie noch nichts erhalten haben.
  • Kommt Ware von Händlern in Fernost, kann es zu langen Lieferzeiten kommen.

Unser Fazit:

Kleinere Gadgets und Artikel können in der Regel problemlos über Wish bestellt werden, sofern Kunden damit leben können, dass die Ware möglicherweise nicht der erhofften Qualität entspricht. Bei teureren Artikel sollten Kunden Vorsicht walten lassen und das Steuer- und Zoll-Risiko beachten.

Wir empfehlen, Technik und Elektroartikel nicht über Wish zu bestellen, da diese oft nicht der versprochenen Qualität entsprechen und zudem ein Gesundheitsrisiko bergen. Meist handelt es sich bei Smartphones, Smartwatches und Co. aus China, die nicht von einem namhaften Hersteller oder Händler stammen, um simplen Elektro-Schrott.

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