Vodafone: Deswegen sind Handytarife in Deutschland so teuer

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Auf die Frage, weshalb deutsche Kunden im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hohe Mobilfunkgebühren zahlen müssen, hat Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter eine klare Antwort. In seinen Augen sind vor allem regulatorische Vorgaben Schuld an den großen Unterschieden. Dadurch sorge die Politik selbst für das Ungleichgewicht.

Vodafone erklärt Tarifunterschiede

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern erhalten deutsche Mobilfunkkunden vergleichsweise kleine Handytarife mit begrenzten Datenmengen. In anderen Ländern, etwa Frankreich und Finnland, sieht das anders aus. Hier sind für kleines Geld, meist bereits für um die 35 Euro pro Monat, Handy-Tarife mit unbegrenzter Datenflat zu haben. Zwar gibt es solche Unlimited-Tarife mittlerweile auch in Deutschland, diese sind mit mindestens 60 Euro pro Monat dennoch noch vergleichsweise teuer.

Im Gespräch mit t3n erklärte nun Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, weshalb es seiner Ansicht nach derartige Unterschiede zwischen den Angeboten der europäischen Länder gibt. Die Ursachen dafür liegen zum einen in der Topografie der Länder begründet, aber auch in den regulatorischen Vorgaben, die die Regierungen zur Bedingungen machen. Im Vergleich zu anderen Ländern seien diese in Deutschland besonders streng.

Teure Frequenzen Schuld an hohen Preisen

„Es gibt Länder wie eben Finnland, da haben die Netzbetreiber wie in der gerade stattgefunden 5G-Vergabe kaum etwas für die Frequenzen bezahlen müssen“, meint der Manager. In Deutschland steht die Vergabe der 5G-Frequenzen noch an – hier planen Bundesregierung und Bundesnetzagentur jedoch eine Auktion. Den Zuschlag erhält der Netzbetreiber, der die höchsten Summen bietet. Investitionen, die unter anderem durch die Endkundenpreise refinanziert werden müssen.

Eine ähnliche Situation hatte es bereits im Jahr 2000 gegeben, als hierzulande die UMTS-Frequenzen versteigert wurden. Auch damals flossen hohe Summen in die Auktion, die sich in den Jahren darauf in den Tarifpreisen widerspiegelten. Allerdings sieht der Vodafone-Chef diese Kosten nicht mehr als relevant an.

„Aber der staatliche Wunsch nach möglichst hohen Erlösen hat damals und in den weiteren Auktionen sicherlich zum Preisgefüge beigetragen“, erklärt er. „Wenn Sie mal addieren würden, was die Branche in den letzten Jahren für den Frequenzerwerb ausgegeben hat, kämen Sie auf rund 60 Milliarden Euro. Dafür hätte man eine Menge Masten bauen oder eben günstigere Preise anbieten können – wie die Finnen.“ Denn im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland nicht die besten Handynetze. Es gibt zwar auch günstige D2 Handytarife, allerdings beinhalten diese nicht viel Highspeed-Datenvolumen.

Vodafone erhofft sich faire 5G-Versteigerung

An den Entwürfen zur anstehenden 5G-Versteigerung übt auch Vodafone Kritik. Hannes Ametsreiter wünscht sich für das Verfahren vor allem faire und investitionsfreundliche Auflagen, „die am Ende dem Land helfen und nicht den Partikularinteressen einzelner dienen“. Als negativ empfindet er hingegen: „Wenn man zum einen versucht, möglichst viel Geld einzunehmen, viele Auflagen zu machen – und dann das Ganze auch noch investitionsfeindlich gestaltet. Wenn hier alles gleichzeitig durchgesetzt wird, führt das zu einer nicht sehr sinnvollen Lösung für Deutschland. Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Wir investieren ihn lieber in Netzausbau anstatt teurer Lizenzen.“

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